Naturkosmetik natürlich konservieren

In den letzten Jahren sind Konservierungsmittel stark in Verruf geraten. Bei etlichen der von der Kosmetikindustrie eingesetzten Konservierungsstoffen ist dies durchaus gerechtfertigt. In vielen Untersuchungen wurde bestätigt, dass sie die Empfindlichkeit der Haut erhöhen, die Entstehung von Krebs begünstigen und Allergien auslösen können. Einige stehen sogar im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Diverse Kosmetikhersteller haben auf die öffentliche Meinung reagiert und loben ihre Produkte nun als »frei von Konservierungsstoffen« aus. Ich versichere Ihnen, dass auch diese Produkte konservierende Stoffe enthalten! Zum Einen handelt es sich um Alkohol und/oder alkoholische Kräuterextrakte, die vor allem in naturkosmetischen Produkten gerne verwendet werden. Zum anderen sind es spezielle Stoffe, die primär als Feuchthaltemittel oder Weichmacher eingesetzt werden. Als Nebeneffekt zeigen diese Stoffe eine gute antimikrobielle Wirkung. Beide Stoffgruppen zählen lt. EU-Kosmetikverordnung nicht zu den Konservierungsstoffen, daher ist es völlig legitim, diese Produkte als »konservierungsmittelfrei« zu bezeichnen.

Welche natürlichen Konservierungsmittel gibt es?

Es müssen keine Parabene sein, die Sie für Ihre selbst gemachten Produkte verwenden. Mittlerweile gibt es auch für Endverbraucher hautfreundliche Konservierungsmittel, die für moderne Naturkosmetik zugelassen sind. Zunächst sind hier die klassischen Konservierungsstoffe Kaliumsorbat und Rokonsal BSB-N zu nennen. Kaliumsorbat ist das Salz der Sorbinsäure. Dabei handelt es sich um eine ungesättigte Fettsäure, die in der Natur in der Vogelbeere vorkommt. Kaliumsorbat ist gut gegen Hefen und Schimmelpilze wirksam, zeigt aber nur mäßige Wirksamkeit gegen Bakterien. Für eine ausreichende Konservierung muss es mit einem anderen Konservierungsmittel kombiniert werden. Erfahrungsgemäß hat sich die Kombination von 0,2 Prozent Kaliumsorbat-Granulat plus 10 Prozent Weingeist (bezogen auf die Gesamt-Wasserphase) als gut wirksame Strategie erwiesen. Die Wirkstoffkombination von Rokonsal BSB-N (Benzyl Alcohol, Glycerol, Benzoic Acid, Sorbic Acid) hemmt das Wachstum von grampositiven und gramnegativen Bakterien ebenso wie das von Hefen und Schimmelpilzen. Beide Konservierungsstoffe benötigen einen leicht sauren pH-Wert (5-5,4), um wirksam zu werden.

Mit Weingeist konservieren

Bei einigen Produkten ist es aber nicht ratsam, den pH-Wert zu senken, weil aufgrund der Rohstoffkombination oder einzelner Substanzen die Stabilität der Formulierung leiden würde. In diesen Fällen können Sie eine Konservierung mit Weingeist ins Auge fassen. Weingeist ist ein einwertiger Alkohol, der in kosmetischen Produkten vielfältige Aufgaben erfüllt. Er begünstigt das Einziehverhalten von Emulsionen, fördert die Durchblutung der Haut und erzeugt durch seine Verdunstungskälte ein angenehm erfrischendes Hautgefühl. Sein hoher Alkoholgehalt macht ihn zu einem natürlichen Konservierungsmittel, das in der Lage ist, die Zellwände der Mikroorganismen anzugreifen und somit deren Vermehrungsfähigkeit zu zerstören. Um diese Wirkung zu erreichen, muss eine gewisse Alkohol-Konzentraktion im Produkt vorhanden sein. Für eine Haltbarkeit von ca. vier bis sechs Wochen haben sich 12-15 Prozent Weingeist (96 Vol.-%), bezogen auf die Gesamt-Wasserphase, bewährt. In dieser Konzentration ist er allgemein gut verträglich und trocknet die Haut auch nicht aus. Da Weingeist sehr flüchtig ist, kann die Konzentration während der Verwendungsdauer durch ständiges Öffnen des Tiegels abnehmen, wodurch die Haltbarkeitsdauer beeinträchtigt wird. Es ist daher sinnvoll, mit Weingeist konservierte Produkte in Pump- oder Airless-Spender zu füllen.

Konservierungsmittel, die eigentlich keine sind

Können Sie sich mit keinem der bisher genannten Konservierungsmitteln anfreunden, haben Sie die Möglichkeit, Stoffe zu verwenden, die neben ihrer pflegenden Eigenschaften auch konservierende Wirkung besitzen. Sie sind für Endverbraucher relativ neu auf dem Markt und zählen gemäß EU-Kosmetikverordnung nicht zu den klassischen Konservierungsstoffen. Dazu zählen beispielsweise Dermosoft GMCY (Glyceryl Caprylate), eine oberflächenaktive Substanz und Dermosoft 1388 (Aqua, Glycerin, Sodium Levulinate, Sodium Anisate), eine Mischung aus Duftstoffen mit Wasser und Glycerin. Beide Stoffe sind für Naturkosmetik zugelassen. Sie werden in der Regel in Kombination von 3 Prozent Dermosoft 1388 und 0,5 Prozent Dermosoft GMCY eingesetzt. Der optimale pH-Wert der Formulierung sollte bei 5,5 liegen. Leucidal Liquid SF, ein biotechnischer Stoff, wird durch Fermentation von Milchsäurebakterien hergestellt. Er ist ebenfalls für Naturkosmetik zugelassen. Neben seiner antimikrobiellen Wirksamkeit zeigt er auch konditionierende (weichmachende) Eigenschaften. Sein großer Vorteil gegenüber den anderen genannten Konservierungsmitteln ist, dass er einen breiten pH-Bereich (3-8) abdeckt und somit auch für pH-sensible Rohstoffe geeignet ist. Leucidal Liquid SF wird mit 2-4 Prozent dosiert. Im Handel sind noch weitere Konservierungsstoffe erhältlich. Bei einigen von ihnen handelt es sich um so genannte Duftkonservierer, die alle einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Eigengeruch aufweisen. Probieren Sie aus, welcher Ihnen am ehesten zusagt.

Muss man Öle auch konservieren?

Alle bisher genannten Konservierungsstoffe beziehen sich ausschließlich auf ihre Wirkung in der Wasserphase. Wie sieht es aber mit der Konservierung der Fettphase aus? Muss diese nicht auch vor Verderb geschützt werden? Selbstverständlich können auch Fette verderben. Dafür sind aber nicht die Mikroorganismen verantwortlich, denn diese können dort nicht überleben. Sollte sich doch einmal auf einem Pflanzenöl oder einer Pflanzenbutter eine Schimmelschicht bilden, ist in diesem Produkt Restwasser enthalten, das dort nicht hineingehört. Pflanzenöle haben einen anderen Feind: den Sauerstoff. Er reagiert mit den Doppelbindungen der Fettsäuren, wodurch diese oxidieren. Man sagt auch: das Öl ist ranzig geworden. Sie haben bestimmt schon mal an einem ranzigem Öl gerochen – der Geruch ist unverkennbar. Dieser Oxidationsprozess setzt Stoffe frei, die auf der Haut zu Rötungen und Ausschlägen führen können. Ranzige Öle dürfen daher nicht mehr verwendet werden. Besonders anfällig sind Pflanzenöle mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese gilt es besonders zu schützen. Kaufen Sie von diesen Ölen nur kleine Gebinde und verschließen Sie die Flaschen immer sorgfältig. Einen zusätzlichen Schutz bietet entweder der Zusatz von Flavoxan 14, ein spezieller Rosmarinextrakt oder Antiranz HT, eine Mischung aus Vitamin E, Vitamin-C-Palmitat, Zitronensäure, Glycerinoleat und Glycerinstearat.

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